Baby: Der Zustand der Unordnung

Baby: Der Zustand der Unordnung

Anfang der Woche habe ich in der Fachzeitschrift für Gesundheitsförderung einen Artikel zum Thema “Säuglingsernährung” gelesen und dabei fiel mir vor allem ein Satz auf, der mir einen “Aha-Effekt” bescherte.
Grundsätzlich ging es in dem Artikel darum, dass das Essen auch ein Thema der Beziehung ist und die Weichen dafür schon mit dem Stillen / der Flaschengabe gestellt werden. Es wurde erklärt wie es dazu kommt und mit welchen Verhaltensweisen das Baby sowie die Eltern agieren und was sie damit erreichen.
Soweit sei einmal sehr, sehr grob der Inhalt des Berichtes wiedergegeben.
Der Satz der mich aber aufhorchen ließ war folgender:

„Säuglinge weinen in den ersten Monaten, weil sie sich im Zustand der Unordnung befinden. Erst über das Angebot der Eltern – ob Spielen, Singen, Wiegen oder Milch geben – erkennen sie ihr eigentliches Bedürfnis.“ (Edith Gätjen, UGBforum)

Die Aussage leuchtete mir sofort ein und gleichzeitig fielen mir zahlreiche Situationen ein, in denen ich selber oder auch Andere zu ihrem Baby gesagt haben: “Na was hast Du denn, hast Du Hunger oder bist Du müde?”

Nun wurde mir aber erstmal so wirklich klar, dass das Baby am Anfang auch gar nicht weiss was es hat bzw. was ihm felt. Es weiss nicht automatisch dass es Hunger hat und es weiss auch nicht automatisch, dass es nun auf den Arm möchte, sondern es merkt einfach was ihm letztendlich geholfen hat.
Ist das nun das Stillen, die Flasche oder eben dass jemand mit ihm auf dem Arm durch den Raum läuft und eine Geschichte erzählt.
Ich fand das sehr interessant und war gleichzeitig doch etwas verwundert, dass mir dass dann jetzt nach Kind Eins erst so wirklich bewusst wird.
Der Begriff “Unordnung” passt einfach so gut, denn für so ein kleines Wesen ist einfach noch alles so ungeordnet.
Okay, für uns Eltern anfangs auch denn wir wissen ja auch noch nicht was dem Baby nun wann hilft.
Die ersten Wochen empfinde ich das Handeln, um die Bedürfnisse des Babys zu stillen, immer fast wie eine Art Fragenkatalog: Ist die Windel sauber? Wann hatte es die letzte Flasche? Könnte ihm zu warm sein? usw.
Es beruhigt mich doch jetzt fast etwas, dass das Baby und ich gefühlt gemeinsam aufgeschmissen sind und nach den passenden Lösungen suchen müssen.
Desto länger man mit dem kleinen Wesen zusammenlebt, desto besser lernt man es auch kennen und es selber sich vermutlich auch.
Langsam kennen wir Eltern die Knöpfe, die wir in den verschiedenen Situationen drücken müssen.

In dem Artikel ging es dann unter anderem auch damit weiter:

„Wird Weinen und Unruhe des Säuglings überwiegend mit Nahrung beantwortet, kann es möglicherweise zur Vermischung und Verwechslung emotionaler Bedürfnisse kommen. Wenn die Suche des Säuglings nach Liebe stets mit Essen beantwortet wird, verwechselt er irgendwann Liebe mit Essen oder spürt über das Essen Liebe und Zuneigung.“ (Edith Gätjen, UGBforum)

Und nun Hand aufs Herz, wer von euch Eltern die die Flasche geben, kennt nicht auch den Satz an den Babysitter gerichtet: “Ansonsten probier es mit einer Flasche, das klappt eigentlich immer.” oder wie oft legen die stillenden Mamas an, obwohl die aktive Beschäftigung mit dem Baby auch funktioniert hätte?
Gerade bei den stillenden Mamas, profitiert das Baby in der Situation zwar auch von der Nähe aber gelegentlich müssen wir wohl zugeben, dass es auch bequemer ist so zu handeln, als die eigentliche Ursache zu suchen und Diese zu befriedigen.

Ich bin auf Eure Meinung zu dem Thema gespannt.

8

Comments
  • Fayth20 April 2016
    Antworten

    Meine Schwiegereltern haben mit einen persönlichen "how to baby…" Katalog bestehend aus einer Seite gebastelt.diese bestand aus dem Satz "weinen weil…"
    -zu nass
    -zu trocken
    -zu heiß
    -zu kalt
    -zu viele
    -zu wenige
    -oder sonstwas
    Liste bei Bedarf mehrmals durchgehen.

    Und ehrlich gesagt halte ich mich bis heute(Kind wird zwei) an exakt diese Vorgabe nur das meine Tochter mittlerweile das meiste gezielt ausdrücken kann.

  • Katharina Vogl20 April 2016
    Antworten

    Ich habe während den ersten monaten meinem baby immer zuerst die brust angeboten und wenn er die nicht wollte, dann habe ich eben was anderes probiert. Ich denke aber nicht, dass er essen mit liebe oder andersrum verwechselt. Das gute am stillen ist halt, dass wenn das baby nichts essen will, auch keine milch bzw. nur wenig rauskommt, da das baby anders nuckelt.

  • Denise Stuppy20 April 2016
    Antworten

    Jetzt weiß ich, warum ich so gerne esse und demnach gut 5 Kilo zu viel habe… Und wie sollte es anders sein: meine Eltern sind schuld ?? halte es auch nicht für richtig…

  • Tina20 April 2016
    Antworten

    Oh, sehr spannendes Thema, danke für den Denkanstoß! Interessanterweise ist es ja auch so, dass das erste was man hört, wenn das Baby unterwegs weint, ja auch ist: er/sie hat bestimmt Hunger! Allheilmittel Nahrung, da ist schon was Wahres dran. Ich achte vor allem jetzt, wo der Mini mehr oder weniger normal isst darauf, Essen bewusst einzunehmen. Mahlzeiten finden zu Hause, mindestens aber an einem Tisch statt. Die Snacks vormittags und nachmittags gibt es auch unterwegs, aber eben als festen Snack in üblicher Menge zur gewohnten Uhrzeit. Problematisch finde ich persönlich, wenn man dem Kind angewöhnt unterwegs immer an etwas zu kauen – im Auto, im Kinderwagen usw. Das möchte ich – auch aus Gründen der Zahngesundheit – eigentlich vermeiden. Aber es ist schon wahr – essen geht immer. Und überdeckt dann vielleicht ein anderes Bedürfnis (spielen wollen, raus aus dem Kinderwagen, kuscheln), das gerade weniger gut in den eigenen Tagesablauf passt. Gibt es den Artikel vielleicht irgendwo online? Liebe Grüße, Tina

  • Tina20 April 2016
    Antworten

    Du hast absolut recht mit deinem Kommentar! Ich hab jetzt nur das hier gefunden: https://www.ugb.de/ugb-medien/ugb-forum/ aber da gibt es den Artikel nicht einzeln :/

  • Bell20 April 2016
    Antworten

    Wirklich ein guter Gedanke. Der Satz mit dem "die Flasche hilft eigentlich immer…" kenne ich noch sehr gut vom Minimann.
    Ein schöner Beitrag von dir, der irgendwie doch auch die Augen öffnet.
    Man sollte sein Tun und Handeln einfach öfter hinterfragen.

  • Tina21 April 2016
    Antworten

    Danke dir!!

  • OktoberKind04 Mai 2016
    Antworten

    Naja, ich finde, man hört oft, was dem Baby fehlt. Hungerweinen klingt anders als Schmerzweinen, Langeweile oder Nähebedürfnis. Ich bin die Sachen zwar anfangs auch so durchgegangen, wusste aber oft schon, dass er die Flasche wieder ausspucken würde, weil er nicht aus Hunger weint…

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