Family Life: Ist es Euch bewusst?

Family Life: Ist es Euch bewusst?

Grundsätzlich wissen wir alle, dass wir unglaublich dankbar für das Leben sein sollten, das wir führen.
Egal wie es aussieht, es gibt immer Menschen denen es schlechter geht, die sich unsere Probleme wünschen würden um ihre abgeben zu können.

Dankbar für die offensichtlichen Dinge sind wir auch sicherlich und das auch bewusst aber was ist mit den Dingen, die nicht so offensichtlich sind? Die als selbstverständlich wahrgenommen werden weil wir einfach nicht häufig genug weiter darüber nachdenken.
Als sich Mittwoch gegen 7:30 Uhr, innerhalb einer Sekunde der vorgenommene Tagesplan änderte, fing gleichzeitig eine Reise an, die uns am Ende zwar froh aber auch demütig werden ließ.
Der Tag wäre eigentlich geworden wie jeder Andere auch. Die zwei gesunden Kids fertig machen, die Eine in den KiGa bringen, den Kleinen bei mir haben und später würden wir gemeinsame schöne Stunden verbringen, bis dann die Große ihren Tag mit einer Übernachtung bei Opa abschließen würde.
So kam es aber nicht, innerhalb kurzer Zeit fanden wir uns im Klinikum wieder und machten uns Gedanken und Sorgen um Dinge, die immer ganz fern schienen.
Natürlich weiss man, dass jedem alles passieren kann aber ernsthaft damit rechnen tun wir ja doch nicht.
Wer denkt Morgens schon dass es Abends bereits ganz anders aussehen kann? Vielleicht ist es auch gut so, dass wir nicht darüber nachdenken aber immerhin am Ende des Tages könnten wir doch die dankbaren Gedanken zulassen für diesen schönen Tag, ohne besondere Vorkommnisse.
Um eins vorweg zu nehmen, ohne auf die genauen Hintergründe weiter einzugehen , wir sind alle wieder gesund und munter Zuhause.
 
Gerade wenn etwas unsere Kinder betrifft, sind Eltern wohl kaum verletzbarer.
Eltern würden alle Probleme ihrer Kinder sofort auf sich nehmen, um sie den Kindern abnehmen zu können, ganz gleich wie diese Probleme aussehen.
Die Redewendung “Es zerreisst mir das Herz”, war für mich auch immer nur eine Redewendung, bis zu dem Zeitpunkt an dem ich Mama wurde. Wenn ich jetzt den Gedanken zulasse, dass einem der Kids etwas ernsthaftes passiert, weiss ich dass es nicht nur eine Redewendung ist, sondern durchaus auch ein Gefühl.
Als wir mit dem für uns großen Problem auf der Kinderstation in der Klinik ankamen, wurde mir ganz schnell bewusst, dass auch dieses Problem eigentlich nur klein ist, auch wenn es für uns real, schlimm und ganz anders als sonst war.
Auf unserem Zimmer lag ein kleines Baby mit einem errechneten Geburtstermin, der eine Woche nach dem von unserem Baby gewesen wäre aber es ist bereits seit 16 Wochen auf dieser Welt. Unserer gerade mal seit 6, obwohl auch er zwei Wochen früher dran war.
Ich kam mir dort fast wie ein Eindringling vor, überall Eltern die wirklich große Sorgen hatten, deren Kinder nicht nach voraussichtlichen 24 Stunden wieder gehen konnten.
Eltern, deren Baby vielleicht nie sehen oder hören kann.
Eltern, deren Kinder den Sommer verpassen weil sie aus dem Krankenhausbett der Sonne zuschauen müssen.
Eltern, die fast zerrissen werden vor Sorge und das Tag für Tag.
Kinder, die so unglaublich tapfer sind und das obwohl sie so viel in ihrem jungen Leben aushalten.
Kinder, die wissen, dass nichts selbstverständlich ist.
Kinder, denen sehr bewusst ist, wie wichtig es ist für jeden Tag dankbar zu sein.
Als ich Abends nach Hause kam und den Kleinen vorher einsammelte, hielt ich ihn im Arm und hätte ihn am liebsten zerdrückt vor Dankbarkeit. Er ist gesund, putzmunter, lacht nun immer häufiger und lag kurz darauf friedlich schlafend neben mir. Nicht so wie das kleine Baby mit den vielen Kabeln.
An dem Abend hatte ich noch einige Male an dem Erlebten zu schlucken aber dieser Tag hat mir auch die scheinbar selbstverständlichen Momente noch einmal bewusster vor Augen geführt.
Die Große jeden Morgen gesund und munter in den KiGa bringen zu können ist nicht selbstverständlich. Den Kleinen jetzt gesund und schlafend vor mir liegen zu haben ebenfalls nicht.
Dass wir Abends gemeinsam beim Abendbrot am Tisch sitzen und uns über einen Tag unterhalten können, der keine besonderen Vorkommnisse mit sich brachte, ist es auch nicht.
Haltet eure kleinen Großen ganz fest.

7

Comments
  • Anonym15 April 2016
    Antworten

    So schön geschrieben. Danke

  • Tina15 April 2016
    Antworten

    Wunderschön geschrieben und so gut auf den Punkt gebracht! Ich musste auch ordentlich schlucken beim Lesen, die Vorstellung, dass unserem Mini etwas passieren könnte, ist einfach furchtbar. Neben den Dingen, die man einfach nicht in der Hand hat, gibt es ja aber auch noch die Risiken, die man verkleinern oder ausschließen kann. Dieses Thema treibt mich nach dem ersten Unfall bei uns vor zwei Wochen sehr um: wieviel darf ich die Freiheit meines Sohnes einschränken, um Sicherheit zu erreichen? Wieviel Risiko muss ich akzeptieren? Wo fängt überbehüten an? Das finde ich wirklich schwierig zu beantworten. Einerseits ist ausprobieren und sich austesten natürlich wichtig, andererseits haben wir gesehen, dass auch wirklich schnell etwas passiert. Auch wenn man direkt daneben steht, einfach weil Kinder unfassbar schnell sind. Ich habe da unseren Weg noch nicht gefunden – an manchen Tagen bin ich entspannter, an manchen ängstlicher.

  • Helen Mack15 April 2016
    Antworten

    Wirklich sehr schön geschrieben liebe Tina. Ich habe das auch immer alles für selbstverständlich gehalten und als mein Bruder uns sagte das er Vater wird haben wir uns natürlich alle riesig gefreut. Das erste mal Tante werden, wir aufregend 🙂 ! Ich habe mir nicht wirklich Gedanken darum gemacht ob das Kind gesund auf die Welt kommen wird. Schließlich sind in meinem Freundes- und Bekanntenkreis auch alle soweit gesund. Als der kleine dann aber vor 2 Monaten auf die Welt kam musste ich schweren Herzens allerdings feststellen das es eben nicht selbstverständlich ist. Der kleine hat Trisomie 21 und einen mehr als schweren Herzfehler. Ihn da liegen zu sehen, gerade mal einen Tag alt mit so vielen Kabeln und allem hat mir das Herz wirklich komplett zerrissen. Nach nicht mal einer Woche wurde er schon 2 Mal operiert und die große Herz OP steht noch aus. Man fühlt sich so wahnsinnige hilflos und versucht einfach nur strak zu sein für den kleinen und vor allem für die Eltern. Seit dem sehe ich tatsächlich alles nicht mehr für selbstverständlich an und bin sehr dankbar für das was ich/wir haben. Jedes andere Problem ist auf einmal so klein wenn man den kleinen ansieht und auf dem Arm hält oder die anderen Kinder in der Intensivstation sieht. Ich wünsche euch nur das beste 🙂

  • Bell15 April 2016
    Antworten

    Ich habe auch eben einen Artikel gelesen, in dem Eltern über einen Krankenhausaufenthalt geschrieben haben. Da schnürt es einem den Hals zu.
    Man kann wirklich so froh sein und es sich nicht oft genug vor Augen führen.

    Liebst,
    Bell

  • Missys Wahnsinn15 April 2016
    Antworten

    Liebe Tina,
    Du hast es wirklich treffend zusammen gefasst… Wir sollten so dankbar sein!
    Wir hatten letztes Jahr auch einen ungeplanten Krankenhausaufenthalt, inkl. sofortiger OP (rückblickend nichts schlimmes). Da die Kinderklinik übervoll war, landeten wir auf einem Zimmer auf der Kinder-Onkologie…. Seither betrachte ich auch vieles anders!
    Ich darf meine Lausebengels jeden Abend ins eigene Bett bringen und mich von den beiden Tag täglich in den Wahnsinn treiben lassen – und ich bin dankbar!
    Liebe Grüße
    Anke
    P.S.: Weiterhin alles Gute – auf dass Euch solche Erlebnisse künftig erspart bleiben!

  • S.16 April 2016
    Antworten

    Schön, dass L. wohlauf ist.

    Wir haben mit unserer ersten Tochter viele Wochen in der Klinik und auch auf der Intensivstation verbracht. Das macht demütig und dankbar und man lernt wirklich zu schätzen, was es bedeutet ein gesundes Kind zu haben.

  • tinchen16 April 2016
    Antworten

    Liebe Tina,
    ich musste gerade schlucken…da du es sehr treffend geschrieben hast. Wie oft wünsche ich mir, dass ich ein Kind habe, dass nach 4,5 Jahren endlich einmal durchschläft und wie klein und unbedeutend erscheint mir das Problem, wenn ich deinen Bericht lese.

    Manchmal ist es einem einfach gar nicht bewusst wie dankbar man sein sollte…

    Liebe Grüsse (auch von einer Linus Mama)

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