Kids: Erziehung – unser Umgang mit dem Thema “Konsequenz”

Kids: Erziehung – unser Umgang mit dem Thema “Konsequenz”

Schon vor über einem Jahr hinterließ ich einen Post mit dem Titel “Themen die die Mütterwelt spalten”. Damals beschäftigte ich mich mit sieben verschiedenen Punkten, auf die ich näher einging: Stillen, Schnuller, Essen, Laufen, Sprechen, Töpfchen, Erziehung. Am besten lest Ihr Euch diesen Post bzw. den Teil “Erziehung” vorab einmal durch. So wird besser zu verstehen sein, wie wir grundsätzlich bei dem Thema ticken – und warum.

Vor kurzem kam erneut der Leserwunsch auf, dass ich noch eimal auf das Thema “Erziehung” eingehe und da seit dem oberen Post nun einige Zeit vergangen ist, nehme ich das heute noch einmal in Angriff.

Vorweg möchte ich sagen, dass ich der Meinung bin dass es keinen richtigen oder perfekten Weg beim Thema “Erziehung” gibt. Das wäre schön denn dann könnte man sich einfach daran halten, am besten noch mit der Garantie dass es irgendwann fruchtet aber so leicht ist es nunmal nicht.

Gestern Abend saßen wir mit Freunden gemütlich beim Essen zusammen und auch da kam das Thema irgendwann auf.
Auslöser war, dass unsere Freunde am Tisch eine typische “Kleinkind testet sich aus”-Situation mitbekommen haben.
Wir Eltern erleben sie fast täglich und finden alle für uns einen Weg um mit diesen Situationen umzugehen. Mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich.

Uns ist klar, dass die Tests unserer Tochter völlig normal sind und dazugehören, trotzdem mussten wir einen Weg finden um die Situationen zu entspannen und klar zu machen, wo der rote Faden lang führt, von dem ich in dem ersten Post erzähle.

Am Tisch gelten bei uns feste Regeln:

  • Es wird erst gegessen wenn alle am Tisch sitzen
  • Kein Reden mit vollem Mund und der Mund ist beim Kauen geschlossen
  • Keine Ellbogen auf dem Tisch
  • Aufgestanden wird erst, wenn der Mund leer ist
  • Essen mit Besteck, solange die jeweilige Mahlzeit das zulässt
Das sind auf den ersten Blick Dinge, bei denen man oftmals schon froh ist wenn Erwachsene sie beherrschen aber wir legen darauf bereits seit Anfang an sehr viel Wert, denn es ist alles andere als ein Hexenwerk, dass ein Kleinkind diese Regeln lernt und umsetzt.
Auch an dieser Stelle: Ich weiss dass es viele Eltern gibt die Regeln am Tisch erst deutlich später einführen, genauso wie die Anwendung von Besteck. Da habe ich überhaupt nichts gegen. Jeder soll den Weg gehen, den er für sich und seine Familie für richtig hält.
Zurück zum eigentlichen Thema: Dieses Verhalten wurde nicht mit Strenge durchgesetzt, sondern es wurde einfach vorgelebt und von unserem Kind übernommen. Natürlich gab es immer mal wieder kleine Erinnerungen “Nimm bitte deinen Ellbogen vom Tisch” oder “Bitte mach den Mund leer bevor Du reden möchtest”. Dieser Erinnerungen bekommen wir Eltern aber auch gerne von unserer Tochter vorgetragen, wenn wir dann doch mal vergessen den Ellbogen vom Tisch zu nehmen.
Gestern nutze unsere Tochter dann die Chance der Show, als der Tisch reichlich besetzt war und ließ diese Regeln kurz hinter sich. Der Mund war auf beim Kauen und das Gesicht glänzte immer wieder mit einem schelmischen Grinsen in meine Richtung. Sie wusste ganz genau, dass es für uns nicht in Ordnung war was sie gerade machte aber sie wartete gespannt auf unsere Reaktion.
Wir baten sie einmal, dann zweimal den Mund wieder zu schließen, doch uns strahlte weiterhin dieses schelmische Grinsen entgegen. Wir werden bei solch Situationen nicht streng oder laut sondern nach zweimaliger,eher witzelnden Aufforderung, ruhig und bestimmt.
Der Wunsch nach dem Essen noch etwas mit einem unserer Gäste spielen zu dürfen, bevor es ins Bett  ging, bestand bereits vor dem Essen.
Wir machten also vorher ab, dass sie nun in Ruhe isst, danach noch etwas spielen kann und anschließend würde es ab ins Bett gehen.
Ich sagte also, nachdem die zwei vorhergegangenen Bitten keine Reaktion zeigten, “Mach jetzt bitte den Mund zu oder es wird nach dem Essen nicht mehr gespielt.”
Der Mund war ab dieser Sekunde zu, das Kind grinste, aß die restliche Portion so wie wir immer essen und danach wurde schön gespielt.
Es ist für mich wichtig, dass solche Situationen nicht im Ärger enden, kein Streit deswegen entsteht und wir einfach ruhig und bestimmt handeln, weil ihr Verhalten eben ganz einfach normal für ihr Alter ist. Sie testet aus und das soll sie auch.
Für mich ist Konsequenz einer der wichtigsten Pfeiler der Erziehung. Inzwischen merke ich auch immer wieder, dass wir langsam an den Punkt kommen, an dem sich die Konsequenz der letzten Jahre auszahlt. Es hat nicht immer Spass gemacht am Ball zu bleiben und es wäre auch zahlreiche Male einfacher gewesen, nicht Konsequent zu bleiben aber inzwischen bin ich froh, dass wir das durchgezogen haben.
Wir können so Situationen wie oben beschrieben, locker und mit einem Hauch von Witz behandeln. Sie fühlt sich in so Situationen wohl und wir auch. Keiner hat das Gefühl dass es gerade Ärger gibt sondern es ist Ihr einfach klar, dass sie so und so weit gehen kann und dann ist es aber auch wieder gut.
Ich muss mir keine Sorgen mehr machen, dass sie sich im Supermarkt auf den Boden schmeisst weil sie irgendein Spielzeug nicht bekommt, bei Freunden das Sofa bemalt, im Dekoladen alles anfasst, sich beim Essen danebenbenimmt.
Inzwischen haben wir diese Themen einfach geklärt und kennen die Art, in der wir in so Situationen auf sie eingehen müssen um Quatsch zu verhindern und an sie ranzukommen.
Sie hat sämtlichen Unfug angestellt, den Kinder in diesem Alter nunmal anstellen und das ist auch gut so aber mittlerweile ist eben auch klar, dass es Dinge gibt, die nicht okay sind und die nicht gemacht werden. Was natürlich nicht heisst, dass es nicht noch genug Unfug geben wird, der erstmal entdeckt werden muss um ihn anzustellen.
Eine ähnliche Situation gestern war z.B. dass sie vor dem Abendessen Süssigkeiten essen wollte. Ich verneinte die Frage auf Grund von zwei Dingen: es gab an dem Tag schon Süssigkeiten und kurz vor dem Abendessen wird hier sowieso nicht mehr genascht.
Fand sie doof. Ganz klar, doof. Sie hat gequengelt und wurde sauer. Ihr gutes Recht, so hätte ich als kleines Kind auch reagiert wenn ich Süssigkeiten hätte haben wollen. Mir wäre es ebenfalls herzlich egal gewesen ob es an dem Tag schon welche gab oder ob es bald Abendessen gibt.
Ich habe trotzdem nicht zugestimmt, auch wenn das für unsere Gäste eine schnelle Reduzierung der Lautstärke im Raum mit sich gebracht hätte.
Ich überlegte mir also, wie ich ihr entgegenkommen kann und trotzdem nicht von meinem “Nein” abweichen muss.
Kinder sind ja nunmal nicht blöd, einmal nachgeben und die durchgezogenen “Neins” der letzten drei Monate sind wieder halbwegs vergessen.
So ging ich dann also zu Ihr auf die Knie, nahm sie in den Arm und machte mit ihre einen Deal aus. Sie durfte sich eine Süssigkeit aussuchen und diese irgendwo auf einen Platz ihrer Wahl legen, um die Süssigkeit dann heute nach dem Kindergarten zu essen.
Die Tränen waren weg und das Kind suchte happy seine Süssigkeit aus um sie anschließend mit aller Sorgfalt an einen tollen Platz für heute zu legen. Da blieb sie dann auch liegen und wird also gleich verspeist.
Ich möchte ihr in so Situationen nicht einfach nur ein “Nein” um die Ohren werfen. Ich möchte dass sie sich trotzdem ernstgenommen fühlt und Raum für ihre Wünsche und Bedürfnisse sieht.
Mag sein dass viele andere gesagt hätten “Mein Gott, gib dem armen Kind die Süssigkeit, ist doch halb so wild” aber das ist nunmal der rote Faden den ich meine. Es gibt Regeln und die gibt es, natürlich mit kleinen Ausnahmen, an 365 Tagen im Jahr.

Soweit also ein kleiner Einblick in zwei Situationen von gestern und die Art wie wir damit umgegangen sind. Das wird gewiss nicht für alle Eltern die Vorgehensweise der Wahl gewesen sein aber es ist die auf unserem Weg.

Wenn Ihr Ideen oder Fragen zu dem Thema “Erziehung” habt, immer her damit. Ich find so Posts immer sehr spannend bei Anderen, so lange einem eben klar ist, dass es den perfekten Weg nicht gibt und solch Berichte immer nur die Vorgehensweise des Autors beschreiben – die ja nicht unbedingt richtig sein muss.

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Comments
  • Barbara30 April 2015
    Antworten

    Wow, du hast meinen ganzen Respekt. Ich habe zwar (noch) keine Kinder, aber dein Blog gefällt mir so gut und dieser Beitrag hat mich in meiner Meinung wieder einmal bestätigt.

  • Anonym30 April 2015
    Antworten

    Finde ich gut gelöst. Und das gegenseitige ermahnen zeigt ja,dass sie auf augenhöhe mit euch ist.
    Eine frage habe ich ergänzend,meine tochter ist ein jahr.wir sind schon bei beikost und sie probiert auch schon mal den löffel selbst einzutauchen,oder etwas aufzugabeln. Hast du deiner tochter ein zweites besteck gegeben,oder ihr einen teil des inhaltes vom teller zur eigenen erkundung überlassen? Ich möchte nämlichauch,dass sie lernt sich bei tisch zu benehmen,du schriebst oben " relaitv früh angefangen" und jetzt frage ich michnatürlich,ob ich gerade den zeitpunkt für den anfang vorrüberziehen lasse.

  • Tina30 April 2015
    Antworten

    Wir hatten immer ein Besteck für sie am Tisch, das war ein Kinderbesteck. Sie hat sich alleine ausprobiert, ich hab es ihr mal gezeigt, mal hab ich sie gefüttert. In dem Alter von einem Jahr, verstehen sie ja noch deutlich weniger als jetzt mit 3. Wir haben also Dinge eingeführt wie "nein" wenn sie mit dem Essen gespuckt hat, es vom Tisch geworfen hat oder ähnliches aber mehr haben wir in dem Alter auch noch nicht gemacht 🙂

  • Marie Comes30 April 2015
    Antworten

    Für mich ist es wichtig, dass auch bereits kleine Kinder das Mindestmaß der menschlichen Umgangsformen beherrschen und dazu zäht auch das passende Verhalten bei Tisch.
    Ich habe von meinem Kind in diesem Alter all das auch "verlangt". Sie musste auch lernen, dass sie im Restaurant überwiegend ruhig am Tisch sitzen sollte und nicht andere Gäste durch lautes, ständiges Herumlaufen stört.

    Meine Tochter ist inzwischen 17 und ich habe ihr in vielen Dingen viel Freiraum gelassen. Auf die Einhaltung gültiger Regeln habe ich jedoch immer geachtet und dann nicht darüber diskutiert.

    Ich glaube, dass Kinder einen festen Rahmen brauchen und da gehört es für mich dazu, Konsequenzen aufzuzeigen und diese durchzusetzen.

    Ein Alltagsbeispiel: Kind will nichts von der Mahlzeit essen, die angeboten wird und hat sich vorher sogar explizit diese Speise gewünscht…dann gab es nichts anders und auch nichts weiter bis zur nächsten Mahlzeit.

    Die von Dir geschilderte, gestrige Situation hätte man nicht besser lösen können.

  • Anonym01 Mai 2015
    Antworten

    Ja,genau so sieht es momentan hier auch aus.ok bin erleichtert,danke für die Antwort!

  • Angela01 Mai 2015
    Antworten

    Hallo Tina, wir haben selbst noch keine Kinder aber sie sind in Planung. Alles was du schreibst klingt für mich sehr plausibel und ich hoffe das ich das alles so oder so ähnlich umsetzen kann. Meine eigentliche Frage ist: wie würde ich eine von dir oben kurz beschriebene Situation im Supermarkt lösen? Ich sehe solche Szenen immer wieder in denen sich Kinder auf den Boden werfen und sich irgendwelche fremden dann dort einmischen… danke schonmal viele Grüße

  • Tina01 Mai 2015
    Antworten

    Ich habe dann versucht für Ablenkung zu sorgen, nachdem ich ihr erklärte warum das Spielzeug jetzt nicht mitgenommen wird. Beispielsweise mit "Du kannst mir jetzt aber gut helfen, wir müssen noch die Milch finden", so hatte sie einen Auftrag und war wieder dabei. Wenn gar nichts half, ab auf den Arm oder in den Einkaufswagen und austoben lassen, da hilft dann eh nichts wenn es ganz wild wird. Was das Einmischen von anderen Personen angeht: dickes Fell anlegen und ins linke Ohr rein und durchs rechte wieder raus 🙂

  • Anonym01 Mai 2015
    Antworten

    Toller Post! Ich habe zwar selber noch keine Kinder, finde deine Einstellung aber interessant und hoffe, dass ich das später auch mal ähnlich gut hinbekomme.
    Grade das mit den Tischregeln, ich seh' das genaue Gegenteil nämlich aktuell an einem 2,5-Jährigen in der Verwandtschaft und es ist SO anstrengend und auch einfach nervig für alle Beteiligten, wenn der kleine nonstop rumkaspert, auf den Tisch steigen will, immer im Stehen essen, aufstehen und weglaufen, etc…
    Wie handhabt ihr eigentlich das mit den Süßigkeiten? Will und bekommt euer Kind täglich welche?
    LG Andrea

  • Tina02 Mai 2015
    Antworten

    @anonym, das kenne ich und ich ärger mich auch immer sehr darüber, wenn Eltern ihre Kinder am Tisch einfach machen lassen was sie wollen und es so dann anstrengend für alle wird.
    Wir haben eine Süssigkeitenschublade, die ist nicht mit einer Kindersicherung abgeriegelt und somit frei zugänglich, das geht aber auch nur weil sich hier durchgesetzt hat, dass unsere Tochter fragt wenn sie Süssigkeiten haben möchte. Mal gibt es an einem Tag zwei Sachen, mal an einem Keine weil sie gar nicht danach fragt, mal teilen wir etwas für den nächsten Tag ein da sie schon genug hatte. Das läuft eigentlich ziemlich nebenher und bedarf keiner sonderlichen Aufmerksamkeit. Ich bin kein Fan davon wenn man Dinge so explizit thematisiert, daher gibt es hier kein extra Süssigkeitenglas das für eine Woche eingeteilt werden muss oder ähnliches.

  • Anonym10 Juli 2015
    Antworten

    Ich bin durch Zufall hier hergekommen weil mich eine Situation von gestern nicht loslässt . Waren bei den Schwiegereltern im Garten die so einen kleinen Pool aufgebaut haben Höhe 60 cm. Wir waren im Wasser und der kleine 3 Jahre alt Sohn von der Freundin meines Schwagers hat mir ständig mit der Spritzpistole in die Augen gespritzt angespuckt und mit den Knien in den Bauch , hab ihm gesagt das ich das nicht möchte er soll aufhören seine Mutter mehrmals vom Liegestuhl aus ohne aufzustehen er soll aufhören sonst müsse er ins Bett diese Konsequenz traff allerdings nie ein. Es ging weiter hab ihm gesagt was tust du wenn ich mal zurück Spucke nein das mag er nicht ich dann ja siehst du ich auch nicht trotzdem weiter und gegrinst dann kam er wieder mit den Knien in den Bauch . Hab ihn dann genommen und einen halben Meter von mir gestoßen und gesagt es reicht jetzt , ich hab ihn nicht gehauen oder unter Wasser gedrückt oder sonst was er fing an zu heulen bzw schreien ohne Tränen sie gleich angerannt getröstet nach 1 Minute war er wieder im Wasser mit der Pistole direkt wieder zu mir von der Mutter kein Wort ! Ich bin dann raus um weitere Diskussionen zu vermeiden, mein Schwager der auch die ganze Zeit mit im Wasser war hat mich beschimpft als wäre ich ein Kinderhasser und das sei ein Kind das macht man nicht . Jedem dem ich es bisher erzählt hab der Kinder hat sagt mach dir keine Vorwürfe du hast nichts falsches gemacht die Mutter hätte ihn längst rausholen müssen und erklären das das so nicht geht … Trotzdem die Worte meines Schwagers empfand ich unfair weil ich ein absolut kinderlieb bin und sowas nie tun würde … Meine Konsequenz nichts mehr Pool im Garten der Schwiegereltern für mich ��

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