Kids: vom laufen lernen

Kids: vom laufen lernen

Viele von Euch haben mich gebeten, dieses Thema doch mal in einem Posting zu bringen, und ich habe länger darüber nachgedacht, weil es etwas sehr persönliches ist und uns nah ans Herz ging- aber letztendlich wäre ich lange Zeit froh über solche Erfahrungsberichte gewesen und möchte denen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, Hoffnung machen und Ruhe geben.

Unser Sohn war in seiner motorischen Entwicklung immer etwas langsamer, als Altersgenossen.
Ob das an der zu frühen Geburt bei 36 +4 lag oder einfach so war, lässt sich schwer sagen.
Wir haben ihn nie zu etwas gedrängt, es gab kein hinsetzen, so lange er noch nicht sitzen konnte, kein Gehfrei, kein hinstellen usw. Das war mir sehr wichtig.
Abgesehen von Babymassage und Babyschwimmen haben wir auch lange keine Kurse mit ihm besucht- erst mit 7 Monaten ging ich zum PeKip, und dort fiel mir auch das erste Mal so richtig auch, wie unterschiedlich die Entwicklung lief- einige krabbelten sogar schon oder zogen sich hoch, wo mein Sohn noch fröhlich auf dem Bauch lag und so glücklich war.
Mit 8 Monaten etwa fing er an, zu robben; mit 15 Monaten krabbelte er los.
Einen Lauflernwagen gab es zum 1. Geburtstag, an ihm war er aber lange nicht interessiert.
Unser Kinderarzt war locker, er hatte ihn schon bei einer frühen U versucht, hinzustellen, und dann aufgrund der Reaktion unseres Sohnes sofort gesagt, es würde bei ihm wahrscheinlich dauern, bis er stehen und gehen würde. Er sollte Recht behalten.

Einige Wochen nach dem Beginn des krabbelns zog er sich auch hoch und versuchte, sich hin zu stellen- stand dabei aber immer auf den Zehenspitzen, wie eine kleine Ballerina. Da das eine gewisse Zeit lang normal ist, dachten wir uns erst nichts dabei- doch diese Fussstellung hielt sich.
Zwei befreundete Physiotherapeuten, die das bei Besuchen bei uns sahen, äußerten sich dann aber etwas besorgt, und so beschlossen wir, eine spezielle Kinder Physiotherapeutin aufzusuchen.
Der erste Besuch war schockierend für mich- sie betrachtete ihn sich und seine “Ballerinastellung” und sagte dann zu mir: “Es ist gut, dass ihr hier seid- er wird es nie von selber lernen, sich richtig hinzustellen. Ihr hättet früher kommen sollen!”.
Mein Mann und ich waren natürlich besorgt und vor den Kopf gestoßen- wollten wir unserem Kind doch nur Zeit geben und keinen Druck ausüben- und nun kam es uns vor, als hätten wir nachlässig gehandelt und irgendwo versagt.
Also gab es es Physiotherapie- sie zeigte uns Spiele, um ihn zum normalen Stand zu bringen, spielerisch und mit leichten Dehnübungen. Als Grund nannte sie eine Sehnen- bzw Bänderverkürzung im hinteren Unterschenkel.
Er fand das natürlich nicht lustig- ihr kennt das, wenn man sich hinstellt und versucht, an seine Zehen zu packen- das zieht mehr oder weniger ordentlich.
Zuhause war ich dann also permanent damit beschäftigt, ihn zum normalen Stand zu bringen, wenn er wieder auf den Spitzen stand. Zu dem Zeitpunkt tat er das oft und man merkte, er will stehen und laufen.
Aber es klappte einfach nicht.

Irgendwann waren wir sehr in Sorge, und machten einen Termin bei einer Kinder Orthopädin aus.
Und sie brachte mich auf den Boden zurück. Sie untersuchte den kleinen Mann, seine Beine und Füsse- und kam zum Schluß, dass er absolut in Ordnung war und einfach Zeit bräuchte. So einfach.
Ich atmete aus und entspannte mich.
Und wir ließen ihm einfach seine Zeit.
Die Physiotherapie machten wir zu Ende, leichte Erfolge zeigten sich zwar, aber so der richtige Durchbruch blieb aus- bis wir am letzten Tag dann zu einer Osteopathin in der Praxis gingen.
Auch sie schaute ihn sich genau an, tastete und drückte- und stellte eine Blockade seines ISG fest, die sie lockerte.

Und ungelogen- ein oder zwei Tage später platzte der Knoten. Er stand richtig, von sich aus. Und ab da ging es ratz fatz vorwärts- bald machte er an der Hand die ersten Schritte (im Rohbau unseres neuen Hauses) und Ende November, in der Woche unseres endgültigen Umzugs, lief er das erste Mal frei.

Ich weiss nicht, ob wirklich die Osteopathin die Lösung war oder nur das letzte Tröpfchen, das nötig war- oder einfach nur ein zeitlicher Zufall. Vielleicht lag es auch daran, dass er seit Oktober in den Kindergarten ging und nicht der einzig krabbelnde sein wollte.
Aber natürlich waren wir unglaublich froh und dankbar.

Und die Moral von der Geschichte? Hört auf das, was Euer Gefühl Euch sagt. Und lasst den Kleinen Zeit. Jeder ist auf einem anderen Gebiet gut, unser kleiner Mann redet zum Beispiel schon ewig unglaublich viel, klar und in Sätzen; kann feinmotorisch Dinge, die andere in seinem Alter nicht können usw. Alles gleicht sich aus.

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Comments
  • Stefanie Lueneberg22 April 2015
    Antworten

    Toller Beitrag! ! Uns geht es fast genauso, unser kleiner Mann ist nun 21 Monate und läuft nur an der Hand oder dort wo er sich festhalten kann. Er krabbelte auch nicht, aber er ist Porutscher und die sollen ja auch bekanntlich länger brauchen. Wie alt war dein Knirps nun wo er alleine lief?
    Lg aus Magdeburg de Steffi

  • pocketful of make up.22 April 2015
    Antworten

    Ich finde solche Berichte immer so wahnsinnig interessant, obwohl ich selbst keine Kinder habe! 🙂

    Marie x
    pocketfulofmakeup.blogspot.com

  • Tiia22 April 2015
    Antworten

    Schön, dass der Krümel läuft 🙂
    Ich glaube fest daran, dass die Osteopathin den letzten Schubs gegeben hat. Leider selber gerne unter einem blockierten ISG und ja, das tut weh. Und dann kann man nicht richtig ausbalanciert gehen. Das er da nicht laufen lernen konnte, denke ich, macht Sinn.
    Dazu habe ich bei der Tochter meiner Cousine erlebt, wie wirkungsvoll eine Behandlung ist. Sie wollte sich auch nie drehen und krabbeln. Einmal Ostheopathie und eine Woche später krabbelte das Kind fröhlich durch die Gegend 🙂

    Nichtsdestotrotz gibt es natürlich die Spätentwickler, die spät laufen oder sprechen. Solange körperlich alles okay ist, warum auch nicht. Die Natur hat eben ihr eigenes Tempo.

    LG

  • Barbara22 April 2015
    Antworten

    So eine schöne Geschichte. Und es freut mich für euch! :-*

  • Victoria22 April 2015
    Antworten

    Ein sehr schöner Beitrag und so viel Wahres!

    Steffi, ich war als Kind auch nur Porutscher (meine Schwester ebenso) und bin erst mit knapp 2 Jahren selbst gelaufen.
    Jedes Kind hat wirklich sein eigenes Tempo.
    Lasst euch nicht verrückt machen.

  • Bell22 April 2015
    Antworten

    Ich finde es gut, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Wie du schon sagst, wärst du wahrscheinlich froh über einen solchen Erfahrungsbericht gewesen.

    Schön zu lesen, dass er jetzt läuft und alles normal weiter geht 🙂

    Liebst,
    Bell

  • Anonym23 April 2015
    Antworten

    Ich glaube daran, dass jede liebevolle Mama instinktiv richtig handelt. Es ist aber schwer immer die gut gemeinten Ratschläge anderer auszublenden und sich nicht davon verunsichern zu lassen.

    Meine Tochter könnte nicht gut schlafen, ist alle 2 Stunden wach gewesen und wollte nur auf meinem Arm schlafen bis sie 10 Monate war. Da konnte ich nicht mehr und ging als letzte Möglichkeit zu einer Osteopathin. Danach schlief mein Kind wunderbar durch und das auch im eigenen Bett.

    Hätte ich den Gang mal früher gemacht.

    Havva/gluecksdingx

  • Anonym23 April 2015
    Antworten

    Vielen Dank!
    Das tut gerade so gut…ich bin jetzt richtig beruhigt.

  • Anonym24 April 2015
    Antworten

    "Und die Moral von der Geschichte? Hört auf das, was Euer Gefühl Euch sagt. Und lasst den Kleinen Zeit. " AMEN, SCHWESTER!!!!!!!!

    Toller Post!

    Liebe Grüße,
    Marina

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