Ihr stellt Fotos eurer Kids ins Netz? Das solltet Ihr Euch zweimal überlegen.

Privatsphäre

Ihr stellt Fotos eurer Kids ins Netz? Das solltet Ihr Euch zweimal überlegen.

Privatsphäre

©blende11.photo

Als ich gestern den Bericht über ein 18-jähriges Mädchen las, das ihre Eltern auf Grund der Veröffentlichung von zahlreichen Baby- und Kinderfotos verklagt hat, habe ich mich gefreut.

Warum? Sicherlich nicht, weil das arme Mädchen sich mit ihren 18 Jahren dieser Situation aussetzen muss, sondern weil ich dachte: Na, vielleicht macht es ja jetzt einmal bei so manchen Eltern / Bloggern klick.

Über 500 Fotos ihrer Tochter hatten die Eltern auf ihrem Facebook Profil veröffentlicht.
Die Begründung? Es sei ihr Recht als Eltern und ausserdem käme das Facebook Album gut bei ihren Facebook Freunden an.
Es war nicht ihr Recht, ganz im Gegenteil. Sie verstießen gegen das Persönlichkeitsrecht ihrer Tochter.

Nachdem Diese nun die Volljährigkeit erreicht hat und ihre Eltern der Aufforderung die Bilder zu löschen nicht nachkamen, trifft sich diese Familie voraussichtlich im November vor Gericht.

Abgesehen davon, dass ich keine Eltern verstehe die ihre Tochter in die Situation bringen ihre Eltern tatsächlich verklagen zu müssen um an ihr Recht zu kommen, merke ich an dieser Stelle einmal an, dass es sich hier „nur“ um Facebook handelt.
Der Kreis der Personen die Zugriff auf dieses Album hatten, war eventuell sogar deutlich kleiner als die Menge an Lesern, die so manche Elternblogs mit sich bringen.

Ich hoffe so sehr, dass dieses Beispiel manchen Eltern auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Die Tatsache, dass Ihr mit jedem Foto das Ihr ohne die Zustimmung eurer Kinder veröffentlicht, ihre Persönlichkeitsrechte verletzt.
Vielleicht hofft Ihr, dass eure Kinder das später ganz toll finden. Vielleicht hofft Ihr auch, dass es in Zukunft Gang und Gebe ist und da niemand mehr verwundert drüber redet.
Was aber, wenn eure Kinder in einigen Jahren verärgert, enttäuscht und peinlich berührt über diese unzähligen Fotos sind.
Es müssen keine 500 Bilder sein um in diese Kategorie Eltern zu gehören.
Es reicht eins. Jedoch werdet die Eltern unter Euch, die gerne Kinderbilder auf Facebook, ihrem Blog oder bei Instagram veröffentlichen staunen, wenn sie Diese mal zählen.

Die Aussage der Eltern, dass das Fotoalbum aber so gut bei ihren Facebook Freunden ankäme, passt wunderbar zu einer entstehenden Mentalität die ich auf Instagram und Blogs beobachte.
Baby- und Kinderfotos für die Quote.
Es ist Tatsache, dass Accounts und Blogs, die auf die Privatsphäre ihrer Kinder pfeifen, besonders gut laufen.
Wieso? Ähnlich wie Tierbabys, sorgen Baby- und Kinderfotos für viele Likes und neue Follower.
Es recht dann, wenn die Follower das Gefühl bekommen, die Babys und Kids von Anfang an zu kennen und in ihrem Aufwachsen zu begleiten.
Ein Gefühl ganz nah dran und fast zu der Familie dazuzugehören, stellt sich ein. Ist das nicht spooky?

Seit Monaten haben viele von Euch bemerkt, dass ihr Instagram Account nicht mehr wächst. Das liegt unter anderem an dem neuen Algorithmus. Bei meinem ist das genauso und ich könnte es innerhalb von Minuten ändern. Wie? Indem ich z.B. süsse und lustige Bilder vom Baby und unserer Tochter hochlade, die ich sonst nur der Familie schicke.

Ist es mir das wert? Im Leben nicht.

Was könnte ich deutlich mehr Kooperationen an Land ziehen, wenn ich die Kinderkleidung, Schuhe, Fahrrad und noch vieles mehr, direkt an den Kids ablichten würde.
Möchte ich das? Never. Ich hätte das Gefühl die Privatsphäre meiner Kinder zu verkaufen.

Ich hoffe sehr, dass manchen Bloggern und auch Eltern ohne Blogs klar wird, dass die Anzahl der Familien die sich auf der Anklagebank wiedersehen werden, vermutlich ebenfalls ansteigen wird. Noch sind die aktuellen Insta- und Bloggerbabys klein und freuen sich über das Spielzeug aus Kooperationen. Spannend wird es zu sehen, ob sie sich später auch über unzählige Fotos freuen werden, die Gott und die Welt über Jahre hinweg zu sehen bekommen hat.

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Comments
  • Alina13 September 2016
    Antworten

    Ich finde zu Kinderfotos gehören auch Fuesse, Haende usw. Wenn man die Kinder aus dem Netzt halten will, dann so richtig.

    • Lisa13 September 2016
      Antworten

      Das sehe ich genauso wie Du 🙂

    • Sarah13 September 2016
      Antworten

      Das finde ich nicht. Gesichter sind einmalig und werden wiedererkannt, Füße und Hände sind völlig austauschbar.

  • Deborah13 September 2016
    Antworten

    Sehr guter Bericht, vielen Dank dafür! Ich bin momentan schwanger und habe mir auch schon meine Gedanken dazu gemacht, wem ich welche Bilder ich von meinem Kind zeigen möchte und ganz klar gibt es eine sehr tiefe Grenzen. Wem zeige ich nach den Ferien das Fotoalbum mit den Fotos vom Strand, etc? Genau, nur meinen engsten Freunden und der Familie. Und genau diese sollen diese Momente mit mir teilen dürfen, aber bitte nicht die ganze Welt und schon gar nicht die Scheinwelt von FB, Instagram und Co. Abo-Zahlen hin oder her, Familie ist das Wichtigste auf der Welt und diese beschütze ich in der realen und digitalen Welt!

  • Katharina13 September 2016
    Antworten

    Liebe Tina,

    ein sehr schöner Post! Ich kann die Eltern aus dem Artikel auch nicht verstehen.. Was sind das für Menschen, dass sie nicht einlenken und ihrer Tochter diesen Gefallen tun? Stattdessen trifft man sich nun vor Gericht, das ist unfassbar für mich.
    Ich kann mich dir in vielen Punkten anschließen: Kinder- oder Babyfotos für die Quote und damit einhergehend mehr Follower, Kooperationen oder auch nur „Oh, wie süß“-Kommentare, das ist meiner Meinung nach überhaupt nicht in Ordnung. Ich folge selber einigen bekannten Bloggerinnen, die Kinder haben und frage mich bei vielen Bildern: Muss das jetzt sein? Baby in der Badewanne, Kind nur in Windel oder im Badeanzug, schlafendes Kind? Das sind alles unbestritten sehr süße Bilder, allerdings für mich auch Bilder, die ich nur einem ausgewählten Kreis zugänglich machen würde. Die Reichweite dieser Blogs ist aber unendlich groß, sind doch die meisten Seiten öffentlich und damit jedem auch außerhalb der Zielgruppe, bzw. Mom-Community zugänglich. Wer dort alles so zuschaut, möchte ich mir gar nicht ausmalen.
    Ich bin Anfang 20 und habe noch keine Kinder, frage mich aber bei meinen eigenen Bildern schon oft: Möchte ich, dass jeder diese Bilder sehen kann? Deswegen ist mein Profil seit einiger Zeit geschlossen und ich lösche fleißig Follower, die mir unbekannt sind oder bei denen ich ein ungutes Gefühl habe.
    Ich kann nicht nachvollziehen, dass manche ihre Kinder, und damit das doch wertvollste und schützenswerteste überhaupt, derartig präsentieren. Würde ich es einem fremden Mann erlauben, mein Kind am Strand, nur mit Windel oder Badeanzug, zu fotografieren? Nein, sicherlich nicht. Warum werden solche Bilder dann im Internet, unkontrolliert verfügbar, veröffentlicht? Für mich ist und bleibt es unverständlich.
    Ich schätze, dass die Zeigewütigkeit noch zunehmen wird. Durch Snapchat, Instastories usw., kann man Bloggern mittlerweile überall hinflogen, sei es nun in die Badewanne, ins Bett oder sogar bis zur Geburt. Dadurch verschiebt das Bewusstsein für Privatsphäre, gibt es doch eine Art von Belohnung dafür: mehr Reichweite, mehr Kooperationen, mehr Geld und andere Benefits. Inwiefern man sich dabei „auszieht“, ist vielen Bloggern (und damit meine ich nicht nur die Mom-Blogger, sondern auch und insbesondere die jüngeren Mädels) gar nicht bewusst. Ich kaufe mir meine Handtaschen, Urlaube, Sportklamotten lieber selber, anstelle sie gegen meine Privatsphäre einzutauschen.

    Jetzt ist meine Meinung dazu doch etwas länger geworden..
    Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und alles Liebe!

  • phero13 September 2016
    Antworten

    Bei dem Fall war es halt auch eine Nummer extremer mit richtig peinlichen Nacktfotos, auf dem Klo usw. Das ist natürlich würdelos! Und zum ersten Kommentar: Naja, ich finde sie „gehören“ nicht ins Netz, weil mich solche Fotos überhaupt nicht interessieren und wirklich extrem belanglos sind. Aber wenn man meint.. solange man das Kind nicht wiedererkennt, oder das Bild nicht jedem zugänglich ist, y not?? Ich bezweifle ja, dass ältere FB User überhaupt wissen, wie man die Privatsphäre einschränkt.

  • Désirée13 September 2016
    Antworten

    Liebe Tina,

    ich teile deine Meinung. Ich fühle mich schon unwohl, wenn ich jemandem folge, der sein Kind offen in allen (nicht nur süßen) Lebenslagen zeigt. Aber soll ich deshalb nicht mehr folgen, auch wenn das nicht der ausschlaggebende Grund meines Interesses war? Wie gehst du damit um?

    Wir haben uns für den baldigen Nachwuchs entschieden, gar keine Fotos online zu zeigen. Konsequenterweise hieße das aber auch, dass die Verwandtschaft nicht mal eben ein Bild per WhatsApp bekommt, denn auch da kann ich ja nicht komplett ausschließen, dass das Bild woanders landet. Daher meine Frage: Wie hältst du das, gibt es Bilder nur offline? Und wie erklärst du das z.B. der Familie, wo es doch heute normal ist, sich Schnappschüsse zu schicken? Als jemand, der das nicht tut, hat man aus meiner Sicht einen schwereren Stand. Noch schwieriger stelle ich es mir vor, Andere davon abzuhalten, Fotos von meinem Kind zu machen und zu teilen. Deine „Umsetzung“ würde mich da sehr interessieren!

    Viele Grüße, Désirée

  • Laura13 September 2016
    Antworten

    Kann dir hier nur zustimmen. Ich habe es gerade schon auf Insta kommentiert aber stell dir nur mal vor das Kind sitzt später mal beim Vorstellungsgespräch und die packen die ganzen Bilder des Kindes aus die sie so im Internet gefunden haben. Furchtbar ehrlich.
    Mehr als traurig dass manche Eltern so ihre Kinder verkaufen. Danke dass du so einen tollen, deutlichen Artikel geschrieben hast.
    Ich hoffe es wachen ein paar auf.

  • Luise13 September 2016
    Antworten

    Danke. Danke, für diese Worte. Es ist einfach unfassbar, was so manch ein „Mami-Account“ sich rausnimmt. Die Kinder werden vor die Kamera gezerrt, damit Mami noch ein paar Kooperationen abgreifen kann. Es ist mir absolut unverständlich, wie man sich den eigenen Kindern gegenüber so verhalten kann. Ich hoffe, dass sich ein paar Muddis angesprochen fühlen und ihre Einstellung diesbezüglich hoffentlich überdenken.

  • Karin13 September 2016
    Antworten

    Ich habe diese Frage für mich persönlich beantwortet und poste keine Bilder, finde aber auch oft eine sehr angenehme und positive Darstellung von Kinderbildern.
    Die Aussage, dass Hände und Füße austauschbar sind, finde ich erstaunlich, da doch auf dem Account von den Eltern darauf „hingewiesen“ wird, dass es sich um den robbenden/krabbelnden/weinenden…Körper von Kinde xy handelt.
    Wenn 10 Jahre später der Account der Eltern angeschaut wird, ist es doch fast egal, ob das namentlich bekannte Kind mit Gesicht oder nicht drauf ist.
    Ich finde wie immer ist ein vernünftiger Umgang wichtig, ob mit mit oder ohne Gesicht.
    Herzliche Grüße!

  • Katja13 September 2016
    Antworten

    Liebe Tina, wie recht du hast! Und meiner Meinung geht es schon mit WhattsApp-Profilbildern los. Muss ich jeden Tag ein neues Bild meines Kindes hochladen? Ganz zu schweigen davon, dass manche Bilder echt zum Fremdschämen sind. Aber das ist wohl das Mitteilungs- und Geltungsbedürfnis einiger Eltern. Schade, wirklich schade. Alles Liebe, Katja

  • Romy Sa.13 September 2016
    Antworten

    Ich kann dir auch nur zustimmen. Wir haben uns beide bewusst dafür entschieden, den Namen unseres Kindes nicht in den sozialen Medien zu nennen und auch sein Gesicht nicht zu zeigen (dazu zählen für uns auch Profilbilder bei WhatsApp). Klar teile ich mal ein Bild oder erzähle über einen schönen Ausflug, ich überlege dabei aber immer, ob unser Sohn das später mal peinlich finden könnte. Ich hoffe, das ist nicht der Fall.
    Unfassbar finde ich aber den oben beschriebenen Fall. Das arme Mädel muss echt gegen ihre Eltern klagen, weil diese mangelnden Menschenverstand und Empathie an den Tag legen. Das ist mehr als traurig.

  • Kathi14 September 2016
    Antworten

    ich persönlich finde das übertrieben. Wieso? Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass Instagram in 10 Jahren noch existiert? Folge: an diese Bilder wird keiner rankommen. Außer jemand speichert sie ab, aber wer macht das denn? Kommt bitte nicht mit iwelchen Pädophilen. An reinen Gesicherten geilt sich niemand auf. Genauso wie keiner gezielt Kinder entführt aufgrund von Facebook oder Instagram Bildern. Ich poste zum Beispiel keine Handybilder, sondern richtig fotografisch schöne Bilder meines Kindes und finde es nicht schlimm. Da gibt es nicht ein peinliches Foto und sollte mein Kind wollen, dass ich alles lösche: DANN LÖSCHE ICH ES. Ich finde wunderschöne Kinderbilder einfach toll und sie inspirieren mich, machen gute Laune. Es gibt Blogger und ein paar Instagramaccounts die sind einfach künstlerisch und ich rede nicht von diesen 0815 gammel-Stroytellern auf die alle frustrierten Hausfrauen fliegen.

    • Saskia14 September 2016
      Antworten

      Ehrlich gesagt, finde ich das sehr naiv. Instagram gehört zu Facebook und wer die Richtlinien gelesen hat, weiß, dass Facebook zB alle Bilder abspeichert und die Rechte an den Bildern hat. So auch Instagram. Ergo selbst wenn du sie löschst oder die Seiten nicht mehr existieren, existieren eure Fotos und Sie können zB mit einem der Kinderfotos ungefragt Werbung machen. Plakate drucken. Flyer verteilen. Ohne dass ihr gefragt werdet, denn ihr habt mir Zustimmung der AGBs das ok dafür gegeben.

  • Katrin14 September 2016
    Antworten

    Sehr wahre Worte! Aber gewissen Müttern scheint es einfach völlig egal zu sein, dass sie ihre Kinder via instagram & Co regelrecht zu Markte tragen. Hauptsache, möglichst viele Kooperationen abgfreifen, so lange das Kind noch in einem Alter ist, in dem es sich nicht wehren kann, bzw. gar nicht weiß, weshalb es dauernd vor die Kamera gezerrt wird und quasi als Cashcow der Mutter dient. Aber teure Handtaschen und Klamotten wollen halt finanziert werden, was interessieren da schon die Rechte des eigenen Kindes.

    Wie gesagt, das Internet vergisst nichts! Abgesehen davon, dass hier Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten werden, sollte sich mal jede dieser eifrigen Kinderbildposterinnen überlegen, wie die Kinder darüber denken, wenn sie älter sind. Abgesehen davon rennen da draußen so viele kranke Hirne rum, die sich an Bildern von halbnackten Kindern aufgeilen. Die Fotos können von jedem einfachst runtergeladen werden, auf das, was danach mit ihnen passiert, hat die Posterin keinerlei Einfluss mehr. Allein der Gedanke daran, dass Fotos meiner Tochter für soetwas herhalten müssten, lässt massiven Brechreiz bei mir aufkommen. Auch darüber sollte man vielleicht mal nachdenken, wenn man reihenweise Kinderfotos in für jeden frei zugänglichen Accounts postet.

  • SaritLovesLifeS14 September 2016
    Antworten

    Ich halte es auch so, dass ich die Namen meiner Kinder im öffentlichen Netz weder nenne, noch ihre Gesichter zeige. Mein privates Facebook-Profil ist sowieso nicht öffentlich einsehbar und dort habe ich sogar die Kinderalben nochmal extra nur für Familie und wirklich enge Freunde sichtbar gemacht.

    Ich bin tatsächlich erstaunt, wie freigiebig manche Eltern mit den Kinderfotos sind. Noch verwunderter bin ich allerdings über Bloggerinnen, die sehr lange ihre Kinder aus Prinzip nicht (komplett) zeigten und deren Namen nicht nannten… und dann auf einmal werden die Kinder komplett gezeigt und auch deren Namen genannt. Auf Nachfrage heißt es dann „Es fühlt sich jetzt richtig für mich an.“ FÜR MICH? Und wie fühlt es sich (später) für die Kinder an? DAS sollte die entscheidende Frage sein! Nicht, wie es sich für die Eltern anfühlt!

    Ja, ich folge auch Accounts, auf denen die Kinder zu sehen sind und finde die Bilder süß und schön und schaue sie mir gerne an, aber dennoch finde ich es nicht richtig, zu sagen „Das soll jeder so handhaben, wie er mag.“, weil die Kinder ja nicht gefragt werden…

    Ich bin jedenfalls gespannt, was aus dem Fall wird, den du erwähnt hast und ob noch mehr Kinder nachziehen und ihre Eltern verklagen.

  • Solveig14 September 2016
    Antworten

    Das ist so wahr… ich erlebe es gerade als Erwachsene selbst, dass meine Eltern keine meiner Entscheidungen respektieren, was mein Leben, meine Beziehungen und mein Kind angeht und es ist der pure Horror. Ich versuche das selbst gerade in Worte zu fassen, in einen Blogpost und ich finde einfach keine. Könnte ich klagen, ich würde es tun…

  • Gabriele15 September 2016
    Antworten

    Interessante Diskussion. Schön, dass es in dem ganzen Bloggerwahnsinn noch Menschen gibt, die über Blogproblematiken nachdenken.
    Ich bin schon etwas älter als 40 und wundere mich täglich. Es gibt super Familienblogs, die ich gerne lese und oft als hilfreich oder anregend empfinde. Erstaunlicher Weise hängt dieses Empfinden aber nicht damit zusammen, ob ich die Kinder der Familien sehen bzw. nicht sehen kann.

    Warum Menschen, die nicht erkennbar arm sind, Kooperationen mit Firmene eingehen, die darauf hinauslaufen, dass sie ihre „echten“ Kinder mit den gesponserten Dingen fotografieren, hat sich mir bislang nicht erschlossen. Ich finde das hochgradig peinlich. Also, einfach komplett daneben. Wenn reiche Menschen plötzlich vorgeben, dass ihre Kinder Tschibo-Klamotten tragen, halte ich das sogar für komplett unglaubwürdig. Und frage mich immer, welche Werte man eigentlich Kindern vermittelt damit? Als ich Kind war, haben wir in der Schule und zu Hause viel zu Manipulationen durch Werbung gelernt. Bei diesen Blogger-Kooperationen lernen Kinder jetzt: wir kriegen Sachen geschenkt, weil wir dafür werben. Und während „echte“ Kindermodels Verträge mit Agenturen haben, Arbeitsgenehmigungen und Drehgenehmigungen vom Jugendamt und der Schule brauchen, können Bloggermamis ihre Kinder einfach in den nächsten Park bringen, ihnen süße Sachen anziehen und sie fotografieren ohne Ende.

    Mein Sohn ist zehn. Manchmal liest er Blogbeiträge mit. Und jedes Mal sagt er mir, wie froh er sei, dass ich solche Dinge nicht tue: Geschichten über ihn im Internet schreiben udn Fotos dazu stellen. „Das lesen dann doch alle: meine Lehrer, meine Mitschüler, unsere Nachbarn – und die geht das doch alles gar nichts an.“ Er weiß, dass das Internet nicht „vergisst“, und er weiß auch, warum wir Instagram, Facebook und Whatsapp ablehnen und nicht benutzen. Ich hatte lange geglaubt, dass hätte etwas mit Medienkompetenz zu tun, wenn man Kindern erklärt, wie diese Dinge funktionieren. Und mit kritischem Denken, wenn man über die Tricks der Werbeindustrie redet.

    Und dabei geht es nicht darum, ob man die Sachen gut oder nicht gut findet, für die man wirbt. Ich finde sehr generell: Kinder für Werbezwecke einzusetzen, die nicht verstehen, was sie da tun – GEHT GAR NICHT. Und Kinder in Blogs porträtieren finde ich auch sehr sehr fragwürdig. Egal, wie „respektvoll“ man das tut. Denn man schreibt über private Dinge von Menschen, die nicht wissen, was damit in der Welt passiert.

    Mein Sohn regte an, dass ältere Kinder mal einen „Elternblog“ verfassen, in dem sie intime Dinge über ihre Eltern schreiben. Z.B., wie oft sie sich streiten und wie Kinder sich damit fühlen. Oder welchen Schrott sie im Fernsehen schauen. Wie oft sie Computerspiele zocken. Über was sie zu Hause heulen. Oder welche Gewichts- , Figur- und Selbstbewusstseinsprobleme ihre Eltern haben, die auf keinen Fall nach außen dringen sollten, weil ja Chefs, Lehrer und Nachbar mitlesen könnten.

    Wenn man der Familie Fotos vom Kind/den Kindern zeigen will: warum zeigt man sie ihnen nicht einfach zu Hause? Oder schickt sie ihnen zu? Per e-mail. Per Post. Weil: keine Familie muss jeden Tag Kinderfotos sehen. Das muss nicht immer „sofort“ geteilt werden.
    Und auf keinen Fall muss alle Welt lesen, welche Erziehungsprobleme man zu Hause hat. Oder dass ein Kind in der Schule gemobbt wird. Oder wovor sich Kinder sorgen. Oder wovon sie nachts träumen. Fremde Menschen geht es auch nichts an, wie die Kinderzimmer aussehen. Oder wo man in Urlaub hinfährt. Das liest sich alles immer irgendwie wie „Aufforderungen“: Hallo, wir sind jetzt drei Wochen nicht in der Stadt. Unsere Nachbarn kümmern sich um die Post (danke!) Unsere Adresse findet ihr im Impressum dieses Blogs. Und SO sieht unsere Wohnung aus.“

    Oder „Mein Kind ist sehr sehr schüchtern. Es hat kaum Freunde und fühlt sich wenig anerkannt. Das macht mir viele Sorgen. SO sieht es aus und es heißt XYZ. Das letzte Schulzeugnis mit dem Namen der Schule habe ich schon schon bei instagram gepostet. Im Impressum findet ihr unsere Adresse. Seit diesem Jahr geht es jetzt mittwochs immer alleine nach Hause. Es hat einen eigenen Schlüssel und wir kommen dann nach dem Schwimmunterricht der Kleinen nach Hause.“ Das klingt für mich wie „Hallo, lieber Pädophiler. Mein Kind ist für Dich ein ideales Opfer. Aus meinem Blog weißt Du ja alles über unsere Familie. Wie die Kinder heißen, wie alt sie sind und wann sie Geburtstag haben. Du kennst ihre Vorlieben und Schwächen, ihre Lieblingsspielzeuge und welches Eis sie am liebsten essen. Wie wäre es, wenn Du einfach mal nach der Schule auf sie wartest.?“

    Das alles finde ich schlimm. Und würde es nicht tun. Und verstehe die Menschen nicht.
    Aber Bilder von nackten Kindern, Kindern auf Töpfchen, beim Wickeln, in der Wanne etc. ins Internet zu stellen, finde ich noch schlimmer. Ich weiß sowieso nicht, warum man sich, seine Kinder und den Rest der Welt ständig fotografieren muss. Vermutlich, weil einem die Welt realer erscheint, wenn man ein Bild davon im Netz sieht.

    Mir macht das Angst.

  • Marle15 September 2016
    Antworten

    Was ich noch viel krasser finde, sind die YouTube Mama Blogger die das ganze Leben mitfilmen und dokumentieren. Selbst wenn das Gesicht unkenntlich gemacht wird, wissen doch irgendwann die Leute in der Kita/Schule/Dorf/Umgebung, dass es sich in den Videos um das Kind xy handelt.

  • Stephanie16 September 2016
    Antworten

    Danke für deinen tollen Post! Er spricht mir aus der Seele!

  • missyswahnsinn16 September 2016
    Antworten

    Wir haben gemeinsam als Eltern die Entscheidung getroffen, dass wir unsere Kinder nicht erkennbar im Internet zeigen.
    Ein Bild von hinten wird schon dreimal überlegt – Gesicht unzensiert? Niemals!
    Nicht nur, dass es gegen das Persönlichkeitsrecht meiner Kinder verstoßen würde – viel mehr ist meine Sorge groß, dass genau mein Kind den Geschmack eines Perversen/Irren trifft… Was das angeht, bin ich wohl leicht paranoid….
    Liebe Grüße
    Anke

  • Christina18 September 2016
    Antworten

    Ich würde mir wünschen, dass das auch mal Leute wie Frau Shopping etc. lesen, die die komplette Kindheit Ihrer Kinder im Internet mit wildfremden Menschen teilen. Jedes erste gesprochene Wort, jede Anekdote. Ich frage mich schon lange, wie das die betroffenen Kinder später mal finden werden.

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